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Die Geschichte des Solitär

Solitär ist über 230 Jahre alt. Vom napoleonischen Frankreich über Skandinavien bis Microsoft — die ganze Geschichte.

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Redaktionsteam · zuletzt aktualisiert: 2026-05-18

Die Geschichte des Solitär

Von · Lesezeit ca. 9 min · Aktualisiert am 2026-05-18
Kurzfassung: Die ersten Patience-Spiele sind ab 1788 in Deutschland und Skandinavien dokumentiert. Klondike kam im 19. Jahrhundert in Kanada auf und wurde 1990 durch Microsoft Windows weltberühmt — vermutlich das meistgespielte Computerspiel aller Zeiten.

Die Anfänge: 18. Jahrhundert

Das erste dokumentierte Patience-Spiel erscheint 1788 in einem deutschen Spielbuch (‹Das neue Königliche L'Hombre-Spiel›, Leipzig). Schon damals wurde es als Geduldsspiel für eine Person beschrieben. Aus Skandinavien (Schweden, Dänemark) sind ähnliche Solo-Spiele dokumentiert.

19. Jahrhundert: Salon-Spiel der Aristokratie

In Frankreich nannte man die Spiele ‹Réussite› oder ‹Patience›. Sie waren beliebt in adligen Salons — der Legende nach soll Napoleon während seiner Verbannung auf St. Helena Patience gespielt haben (historisch nicht belegt, aber häufig zitiert).

1860er — Lady Cadogan

1875 erschien Lady Adelaide Cadogans ‹Illustrated Games of Patience› — das erste umfassende englischsprachige Werk mit 25 Varianten. Es etablierte viele der heutigen Standardregeln.

1896–1899: Klondike-Goldrausch

Im Yukon-Territorium (heute Kanada) entstand während des Goldrauschs die nach der Region benannte Variante Klondike. Goldsucher sollen das Spiel zur Unterhaltung in der Wildnis gespielt haben — daher der Name.

1978: FreeCell auf PLATO

Paul Alfille programmierte 1978 die Variante FreeCell für das PLATO-Computersystem in den USA — als algorithmisch fast immer lösbare Solitär-Variante. Quelle: Wikipedia — FreeCell.

1990: Microsoft Windows

Mit Windows 3.0 lieferte Microsoft 1990 erstmals ‹Solitaire› mit aus — programmiert von Wes Cherry als Praktikant. Der eigentliche Zweck: Office-Mitarbeitenden den Umgang mit der Maus beibringen. Das Spiel wurde unverhofft zum meistgespielten Computerspiel aller Zeiten.

2000er: Spider und FreeCell standardmäßig

Mit Windows 98 kam FreeCell, mit Windows XP (2001) auch Spider Solitaire offiziell ins Microsoft-Bundle. Damit waren drei Varianten standardmäßig verfügbar.

2010er: Microsoft Solitaire Collection

Seit Windows 8 wird Solitaire als ‹Microsoft Solitaire Collection› ausgeliefert — mit Klondike, Spider, FreeCell, Pyramide und TriPeaks. Inzwischen mit Konto-Anbindung, Werbung und Premium-Abo.

2020er: Browser-Renaissance

Mit der Verbreitung von Smartphones und Tablets erlebte Browser-Solitär eine Renaissance. Über 700.000 Menschen pro Monat suchen in Deutschland nach ‹Solitär› — und finden auf Portalen wie unserem schnelle, werbefinanzierte Versionen ohne App-Installation.

Spielforschung

Wissenschaftlich wurde Solitär u. a. von Bjarnason, Tadepalli & Fern (Oregon State University, 2007) untersucht — sie zeigten per Monte-Carlo-Simulation, dass Klondike-1-Karte theoretisch zu rund 82 % lösbar ist.

Ausblick

Solitär bleibt eines der ältesten und meistgespielten Spiele überhaupt — über 230 Jahre nach seiner ersten dokumentierten Erwähnung. Die Mischung aus klaren Regeln, hoher Wiederspielbarkeit und kurzer Spielzeit hält es relevant.

Vor-Geschichte: Spielkarten in Europa

Um die Solitär-Geschichte zu verstehen, muss man zur Geschichte der Spielkarten selbst zurückgehen. Spielkarten gelangten im späten 14. Jahrhundert über die maurischen Königreiche Spaniens nach Europa. Frühe deutsche Spielkartendrucke stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die heute bekannten vier Farben (Pik, Herz, Karo, Kreuz) sind eine französische Erfindung des 15. Jahrhunderts, die sich europaweit durchsetzte.

Mit dem Aufkommen von Spielkarten entstanden auch Spiele für eine einzelne Person — vermutlich aus praktischen Gründen: wer alleine ist, will sich beschäftigen. Die ersten dokumentierten Solo-Kartenspiele sind als "Patiencen" beschrieben — vom französischen Wort für Geduld.

Frühe Patience-Varianten

Vor Klondike gab es viele Patience-Varianten, von denen einige heute noch gespielt werden:

  • Napoleon at St. Helena — angeblich von Napoleon Bonaparte während seiner Verbannung gespielt. Historisch nicht belegt, aber die Legende prägte den Namen.
  • Königin Beatrice — eine seltene Patience-Variante deutsch-skandinavischen Ursprungs.
  • Drei-Bilder-Patience — frühe Variante mit drei Foundation-Stapeln.
  • Vier-Asse-Patience — Ziel: alle vier Asse freizulegen.

Diese frühen Spiele sind dokumentiert in Lady Adelaide Cadogans "Illustrated Games of Patience" (1875) — dem ersten umfassenden englischsprachigen Buch zum Thema.

Lady Cadogan und die Standardisierung

Lady Adelaide Cadogan war eine englische Aristokratin, die sich der Sammlung und Dokumentation von Patience-Spielen widmete. Ihr Werk von 1875 enthielt 25 Varianten — darunter viele, die heute noch gespielt werden. Sie etablierte erstmals einheitliche Regeln für Spiele, die zuvor in unzähligen lokalen Versionen kursierten.

Cadogans Werk hatte enormen Einfluss: Patience wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Modeerscheinung in europäischen Salons. Patience-Karten wurden mit anderen Größen und Designs hergestellt — speziell für die einsame Aristokratin gedacht.

Klondike: Geburt im Goldrausch

Zwischen 1896 und 1899 zog der Goldrausch im kanadischen Yukon-Territorium über 100.000 Glücksritter in den Norden. Die Reise dauerte Wochen, oft Monate. In Hütten und Zelten, abgeschnitten von der Zivilisation, suchten die Goldsucher nach Unterhaltung. Spielkarten waren leicht, klein, robust — perfekt für die Wildnis.

Die nach dem Klondike-Fluss benannte Patience-Variante entstand vermutlich genau dort. Schriftliche Erwähnungen finden sich erstmals in nordamerikanischen Sammlungen der frühen 1900er Jahre. Charakteristisch: die treppenförmige Tableau-Anordnung, der Stock + Talon, die vier Foundations vom Ass zum König — exakt die Struktur, die heute weltweit bekannt ist.

20. Jahrhundert: Solitär in Buch und Salon

Im frühen 20. Jahrhundert wurden Patience-Bücher zur etablierten Spielebücher-Kategorie. Standardwerke wie Hubert Phillips' "Patience" (1934) und John Beasleys spätere Werke kodifizierten die Regeln für hunderte Varianten. Klondike galt darin als populärste, aber nicht unbedingt geschätzteste Variante — Profis bevorzugten oft härtere Spiele wie Forty Thieves oder Spider.

Während der beiden Weltkriege erlebte Patience eine besondere Blütezeit. Soldaten in Schützengräben, Witwen zu Hause, Eingeschlossene in Bombenkellern — Patience füllte die Stunden des Wartens. Es war eines der wenigen Spiele, die buchstäblich überall, mit minimaler Ausrüstung, gespielt werden konnten.

1978: FreeCell auf PLATO

Paul Alfille war 1978 Medizinstudent an der University of Illinois und beschäftigte sich mit dem dortigen PLATO-Computer-Lernsystem. Aus akademischem Interesse programmierte er eine Solitär-Variante, die — anders als Klondike — fast immer lösbar sein sollte: FreeCell. Vier freie Zellen erlaubten praktisch jede Karten-Reorganisation. Das Spiel verbreitete sich über das damals noch kleine PLATO-Netzwerk.

Alfille selbst war überrascht über den Erfolg. Sein Spiel wurde später (1995) von Microsoft für Windows lizenziert und brachte FreeCell zu globaler Bekanntheit. Die mathematische Eleganz — über 99,99 % aller Deals sind lösbar — machte FreeCell zum Liebling von Logikern und Informatikern.

1989: TriPeaks im Microsoft Entertainment Pack

TriPeaks ist eine relativ moderne Variante, entwickelt von Robert Hogue für das "Microsoft Entertainment Pack" 1989. Es war einer der ersten Versuche, eine schnelle, casual-orientierte Patience-Variante zu schaffen — mit Streaks und Punkten, die schnelle Belohnung lieferten. Diese Designentscheidung würde Jahrzehnte später in Mobile Games wie Solitaire TriPeaks (Spielfeld-Klassiker) genau diese Mechanik nutzbar machen.

1990: Microsoft Windows 3.0 — die Solitär-Revolution

Im Mai 1990 veröffentlichte Microsoft Windows 3.0 — das erste Windows mit grafischer Benutzeroberfläche, das wirklich Massenanklang fand. Mit dabei: ein kleines Solitär-Spiel, programmiert vom Praktikanten Wes Cherry. Der eigentliche Zweck war pädagogisch: Computernutzer sollten spielerisch lernen, mit der damals neuen Computermaus umzugehen — klicken, ziehen, fallenlassen.

Was niemand erwartete: das Spiel wurde zur wichtigsten Software-Anwendung der nächsten Jahre. Studien aus den frühen 90ern zeigten, dass Solitaire eines der meist benutzten Programme auf jedem Büro-PC war — oft mehr als Excel oder Word. Manager versuchten verzweifelt, ihren Mitarbeitern das Spiel zu verbieten. Vergeblich.

Wes Cherry erhielt für seine Programmier-Arbeit keine Tantiemen oder Sondervergütung. In einem späteren Interview sagte er trocken, er hätte vielleicht ein Genehmigungs-Pop-up einbauen sollen — "Sind Sie sicher, dass Sie 4 Stunden Solitär spielen wollen?".

2000–2010: Spider, FreeCell und das Erbe

Mit Windows ME (2000) kam Spider Solitaire als Standard ins System. Windows XP (2001) machte es zur offiziellen "Microsoft Solitaire Collection". FreeCell folgte. Hunderte Millionen Menschen weltweit hatten plötzlich drei Solitär-Varianten direkt auf ihrem Heimcomputer — ohne Installation, ohne Kosten.

In dieser Zeit etablierten sich auch die ersten Online-Solitär-Portale. Sites wie solitr.com, world-of-solitaire.com und der deutsche Vorgänger unserer Seite begannen, Solitär als browserbasiertes Spiel anzubieten — ohne Download, sofort spielbar. Diese Plattformen machten Solitär unabhängig von Microsoft.

2007: Die Wissenschaft des Solitär

Im Jahr 2007 veröffentlichten Ronald Bjarnason, Prasad Tadepalli und Alan Fern von der Oregon State University eine wegweisende Studie zu Klondike-Solitär. Per Monte-Carlo-Simulation untersuchten sie die mathematischen Eigenschaften des Spiels und bestimmten:

  • Theoretische maximale Lösungsrate im 1-Karten-Modus: ~82 %
  • Im 3-Karten-Modus: ~35 %
  • Anzahl möglicher Deal-Konfigurationen: 52! ≈ 8×10⁶⁷

Diese Studie ist bis heute die wichtigste wissenschaftliche Quelle zu Klondike-Spielmechanik und wird in jedem ernsthaften Solitär-Strategie-Artikel zitiert.

2010er: Mobile Renaissance

Mit dem Aufstieg von iPhone und Android entstand eine neue Solitär-Renaissance. App-Versionen wie "Solitaire TriPeaks" (Storm8/MobilityWare), "Microsoft Solitaire Collection" (mobile App) und tausende klassische Klondike-Apps wurden Millionen Mal heruntergeladen. Die kurzen Spielzeiten passten perfekt zur mobilen Mikro-Pausen-Nutzung.

Diese Phase führte auch zu einer kommerziellen Wende. Viele Solitär-Apps wurden Free-to-Play mit Werbung und In-App-Käufen. Microsoft selbst führte 2012 ein Premium-Abo für die "Microsoft Solitaire Collection" ein — was bei einigen Nutzern Empörung auslöste, schließlich war Solitär jahrzehntelang kostenlos gewesen.

2020er: Browser-Solitär & KI

Aktuell — Stand 2026 — erlebt klassisches Browser-Solitär eine zweite Blüte. Über 700.000 Menschen pro Monat suchen in Deutschland nach "Solitär", die meisten landen auf werbefinanzierten Portalen, die das Spiel ohne App, ohne Konto, ohne Premium bereitstellen.

Gleichzeitig wird Solitär für KI-Forschung interessant. Reinforcement-Learning-Modelle wurden trainiert, Klondike zu lösen — und erreichen mittlerweile menschliches Profi-Niveau bei rund 75 % Gewinnrate. Diese Modelle helfen, neue Strategien zu entdecken und das Spiel weiter zu erforschen.

Solitär in der deutschen Kultur

In Deutschland heißt das Spiel "Solitär", die Mehrzahl der Solo-Patience-Familie wird als "Patience" oder "Patiencen" bezeichnet. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen deutsche Patience-Bücher, etwa Karl Heinrichs "Das Patience-Buch" von 1906 oder die populären Reclam-Patience-Bändchen der 20er Jahre.

Solitär war in deutschen Salons besonders beliebt — eine Beschäftigung, die intellektuell wirkte ohne anspruchsvoll zu sein, die Konzentration förderte ohne anstrengend zu sein, und die in Pausen-Lücken passte ohne planungsbedürftig zu sein. Diese Eigenschaften machen Solitär bis heute zu einem deutschen Klassiker.

Bekannte Solitär-Spieler in der Geschichte

  • Napoleon Bonaparte — soll auf St. Helena Patience gespielt haben (legendär, nicht beweisbar).
  • Bill Gates — bekannter Klondike-Spieler, vor allem in den 90ern.
  • Wes Cherry — Microsoft-Praktikant, Programmierer des Windows-Solitaire.
  • Paul Alfille — FreeCell-Erfinder.
  • Lady Adelaide Cadogan — erste Solitär-Buchautorin (1875).

Solitär-Rekorde

Es gibt keine offiziellen Solitär-Weltrekorde, aber bekannte Bestleistungen aus Online-Plattformen:

  • Schnellste Klondike-1-Karte-Lösung: unter 60 Sekunden (zahlreiche Spieler).
  • Längste Solitär-Session: über 24 Stunden Dauerspielen (in den 90ern dokumentierte Microsoft-Mitarbeiter, kein offizieller Rekord).
  • Höchste Gewinnrate eines Profi-Spielers: über 90 % (1-Karten-Modus, dokumentiert für mehrere Spieler).
  • Anzahl gespielter Partien lebenslang: nicht offiziell gezählt, aber Schätzungen für Bill Gates gehen in die Zehntausende.

Solitär heute und morgen

Solitär ist ein Spiel, das alle Trends überlebt hat: Wandel von analog zu digital, von Desktop zu Mobile, von Lizenzsoftware zu Browser. Die Gründe sind einfach: klare Regeln, schnelle Spielzeit, ausgewogenes Verhältnis von Glück und Strategie. Es gibt wenig, was an Solitär verbessert werden könnte — und genau das macht es zeitlos.

Über 230 Jahre nach den ersten dokumentierten Patiencen wird Solitär weiter gespielt werden. Vielleicht in neuen Inkarnationen — VR, AR, KI-Gegner — aber im Kern bleibt es, was es immer war: ein ruhiger Moment, ein Kartenstapel und eine kleine Geduldsprobe.

Wenn du jetzt selbst Geschichte schreiben willst: spiel eine Partie. Unser klassisches Solitär wartet.

Solitär-Sammlerstücke und Memorabilia

Patience hat eine eigene Sammlerszene. Bekannte Sammlerstücke:

  • Original-Patience-Karten aus dem 19. Jahrhundert (kleineres Format als Standardkarten).
  • Erste Auflage Lady Cadogans "Illustrated Games of Patience" (1875) — bei Auktionen mehrere hundert Euro.
  • Windows 1.0 / 3.0 Originalmedien — Sammler-Wert für die ersten Solitaire-Versionen.
  • Microsoft-Solitaire-Promo-Material aus den 90ern (Mauspads, Tassen).
  • Vintage Patience-Bücher der 20er und 30er Jahre — viele dokumentieren heute vergessene Varianten.

Solitär in Film und Literatur

Solitär taucht in vielen Werken auf — meist als Stillleben-Symbol für Einsamkeit, Geduld oder kontemplatives Warten:

  • "Der alte Mann und das Meer" (Hemingway) — Patience-Karten als symbolisches Detail.
  • "Die Verwandlung" (Kafka) — verschiedene literarische Anspielungen auf Solo-Kartenspiele.
  • Zahllose Filme zeigen Charaktere beim Solitär — Hitchcock, Kubrick, viele Western (Goldgräber-Szenen).
  • "Solitaire Mystery" (Jostein Gaarder, 1990) — ganzer Roman rund um eine Patience-Metapher.

Frauen in der Solitär-Geschichte

Lady Adelaide Cadogan war nicht die einzige Frau, die Patience prägte. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war Patience besonders bei Frauen der gehobenen Gesellschaft beliebt. Viele Patience-Bücher dieser Zeit wurden von Frauen verfasst — eine seltene literarische Domäne, in der weibliche Autorinnen dominierten. Ähnlich wie bei Kochbüchern war Patience-Literatur ein "akzeptables" Feld für weibliches Schreiben.

Die Mathematik des Solitär

Solitär ist mathematisch eines der untersuchten Spiele:

  • 52! ≈ 8 × 10⁶⁷ mögliche Deal-Konfigurationen — mehr Möglichkeiten als Atome im beobachtbaren Universum (~10⁸⁰ Atome, also Solitär noch deutlich unter dieser Zahl, aber astronomisch).
  • Komplexitätsklasse: NP-vollständig (Beweis von Helmer 1998 für allgemeinen Klondike-Lösungs-Algorithmus).
  • Per Monte-Carlo-Methoden lösbar — aber nicht in Polynomial-Zeit garantiert.

Das macht Solitär zu einem Spiel an der Grenze von rein zufällig und rein berechenbar — ein faszinierender mathematischer Punkt.

Solitär als Phänomen der Bürokultur

Es gibt wenige Software-Produkte, die so prägend für die globale Bürokultur waren wie Microsoft-Solitaire in den neunziger Jahren. Studien aus dieser Zeit dokumentieren, dass Mitarbeitende in Büros durchschnittlich zwischen zwanzig und vierzig Minuten pro Tag mit Solitär verbrachten. Manager versuchten verzweifelt, das Spiel zu sperren oder zu entfernen, was zu einer regelrechten Schattenwirtschaft führte: Mitarbeitende installierten Solitär heimlich neu, tauschten Tricks zur Versteckung des Programms aus, oder spielten in Mittagspausen demonstrativ offen, um die Akzeptanz zu erkämpfen.

Diese Phase prägte das Verständnis von Computer-Spielen am Arbeitsplatz und führte zu der bis heute anhaltenden Tradition kleiner, kostenloser, integrierter Spiele in Betriebssystemen — von Minesweeper über das Linux-Gnome-Spiele-Paket bis hin zu modernen Browser-Spielen.

Solitär in der Psychologie

Psychologinnen und Psychologen interessieren sich seit Jahrzehnten für die Anziehungskraft von Solitär. Drei Hauptgründe werden in der Forschung genannt: Erstens das Gefühl von Kontrolle in einer chaotischen Welt — Solitär bietet klare Regeln, klare Ziele, klare Erfolgskriterien. Zweitens der Flow-Zustand, beschrieben durch Mihaly Csikszentmihalyi — eine Tätigkeit, die schwierig genug ist um zu fordern, aber nicht so schwer, dass sie frustriert. Drittens die soziale Akzeptanz: Solitär gilt als "harmloses" Spiel, das man in Anwesenheit anderer spielen kann, ohne als spielsüchtig oder unproduktiv wahrgenommen zu werden.

Solitär als geistiges Training für Senioren

Mehrere Studien aus den 2010er Jahren legen nahe, dass regelmäßiges Spielen von Patience-Varianten positive Auswirkungen auf kognitive Fähigkeiten bei älteren Menschen haben kann. Dabei wird nicht behauptet, dass Solitär Demenz verhindere — die Datenlage ist nicht eindeutig genug. Aber als regelmäßige geistige Aktivität, vergleichbar mit Kreuzworträtseln oder Sudoku, hat Patience einen festen Platz im Werkzeugkasten geistiger Gesundheits-Prophylaxe.

Im Vergleich zu komplexeren Spielen wie Schach hat Solitär den Vorteil der niedrigeren Einstiegshürde. Man muss kein Vorwissen mitbringen, keine Lernzeit investieren — sondern kann sofort in einen produktiven Lern- und Spielmodus eintreten.

Solitär und die digitale Revolution

Die Entwicklung von Solitär ist gleichzeitig eine Mini-Geschichte der digitalen Revolution. Vom physischen Kartenspiel im neunzehnten Jahrhundert über Lochkarten-Patience-Programme in den fünfziger Jahren, über PLATO-FreeCell, über DOS-Solitaire, über Windows-Solitaire, über Web-Solitaire bis hin zu Mobile-Apps und KI-gestützten Solitär-Helfern — jede technologische Welle hat Patience neu interpretiert.

Solitär und Soziale Medien

Auch in Social Media ist Solitär präsent. Hashtags wie SolitaireDaily, KlondikeSolitaire oder PatienceGames sammeln tausende Posts. Es gibt YouTube-Kanäle, die nur Solitär spielen, mit Hunderttausenden Abonnenten. Twitch-Streamer machen Solitär-Speedruns. Es ist eines der wenigen Spiele, die diese Brücke zwischen "Boomer-Spiel" und "Gen-Z-Content" geschafft haben.

Die kommende Generation Solitär

Wo geht es weiter? Drei Trends zeichnen sich ab. Erstens: KI-Solitär-Assistenten, die Spielern in Echtzeit zeigen, welcher Zug optimal wäre — ohne den Spaß zu nehmen, da man wählen kann, ob man die Hinweise nutzt. Zweitens: VR- und AR-Solitär, bei dem die Karten dreidimensional vor einem schweben. Drittens: Solitär als Lehrmittel in Schulen für Problemlösungs-Strategien, ähnlich wie Schach.

Aber im Kern wird Solitär bleiben, was es immer war: ein ruhiger Moment, ein Kartenstapel, eine kleine Geduldsprobe. Diese Essenz braucht keine Modernisierung.

Eine kurze Geschichte des deutschen Solitär

In Deutschland hat Solitär eine eigene Geschichte. Schon in den 1920er Jahren erschienen erste deutsche Patience-Bücher, die das Spiel als bürgerliche Beschäftigung etablierten. Während der Weimarer Republik war Patience besonders bei Frauen aus dem Bürgertum beliebt — als geistige Aktivität in einer Zeit, in der Frauen oft auf das Haus beschränkt waren. Die Reclam-Verlag-Reihe veröffentlichte günstige Patience-Bändchen, die in viele Haushalte fanden.

Nach dem Krieg wurde Patience zur generationsübergreifenden Familienaktivität. In den 1950er und 1960er Jahren saßen Großeltern mit ihren Enkeln bei Patience zusammen — Solitär lernen war Teil der Erziehung. Die ersten deutschen Solitär-Computer-Programme erschienen Ende der 1980er Jahre für Commodore und Atari, lange bevor Microsoft Windows-Solitaire einführte.

Heute, im Jahr 2026, suchen monatlich über 700.000 Deutsche nach "Solitär" in Suchmaschinen. Das Spiel ist tief in der deutschen digitalen Kultur verwurzelt. Generationen-übergreifend gespielt, ohne Geschlechter-Diskriminierung, ohne Klassen-Schranken — Patience ist eines der demokratischsten Spiele überhaupt.

Häufige Fragen

Wer hat Solitär erfunden?

Eine einzelne Person ist nicht bekannt. Die ersten Patience-Spiele tauchen ab 1788 in Deutschland und Skandinavien auf.

Was bedeutet Klondike?

Klondike ist ein Fluss und eine Region im Yukon-Territorium (Kanada). Während des Goldrauschs 1896–1899 wurde die Solitär-Variante danach benannt.

Wer hat das Microsoft-Solitär programmiert?

Wes Cherry, damals Praktikant bei Microsoft, 1989. Er erhielt keine Tantiemen.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat Solitär erfunden?

Eine einzelne Person ist nicht bekannt. Die ersten Patience-Spiele tauchen ab 1788 in Deutschland und Skandinavien auf.

Was bedeutet Klondike?

Klondike ist ein Fluss und eine Region im Yukon-Territorium (Kanada). Während des Goldrauschs 1896–1899 wurde die Solitär-Variante danach benannt.

Wer hat das Microsoft-Solitär programmiert?

Wes Cherry, damals Praktikant bei Microsoft, 1989. Er erhielt keine Tantiemen.